Bei punischen Seefahrern und Milchflaschen

18.2. Wir besuchen das Archäologische Museum, das einen Schatz beherbergt, der erst in den 1970er-Jahren aus dem Meeresschlick geborgen wurde: Ein punisches Boot, das vermutlich im 1. Punischen Krieg (3. Jh. vuZ) nördlich von Marsala versenkt wurde. Erhalten ist ein Teil des Unterbaus des rund 35 m langen Kriegsschiffs, der viel von der Schiffsbaukunst erahnen lässt. In der Ausgrabungsfläche rund um das Museum besuchen wir die Grotte der Sybille (die Kirche daneben ist zu), eine freigelegte Fußgängerstraße aus Marmor und bewundern die Bodenmosaiken in einer riesigen römischen Villenanlage.

 

Das Museum präsentiert noch vielfältige archäologische Schätze aus den vergangenen 2500 Jahren – von Kriegerstatuen und einer wohlgeformten Venus über zahlreiche Amphoren für Wein und Olivenöl bis zu Grabbeigaben aus mehreren Frauen-, Männer- und Kindergräbern. Der Goldschmuck und die zierlichen Glas- und Alabastergefäße sind sehenswert. Richtig begeistert haben uns aber die Milchflaschen, etwa in Form eines Schweins oder Vogels, jeweils versehen mit einer kleinen Tülle zum Trinken (links im Bild), sowie die Spielzeuge in Tierform, die mit Reis gefüllt als Rassel dienten (rechts vorne).

 

Von Salinen und Dessertweinen

17.2. Wein und Salz waren jahrhundertelang die wichtigsten Exportgüter von Marsala. Die ausgedehnten Salzgärten erstrecken sich entlang der Küste zwischen Trapani und Marsala, zwei Gebiete an der 30 km langen Salzstraße stehen unter Naturschutz. Wir sehen Salinen voller Meerwasser, kleinere Salzberge erheben sich auf den Wegen dazwischen. Die Haupternte ist erst im Sommer, wenn die Sonne das sehr salzhaltige Wasser schneller verdampft. Salz aus Marsala und Trapani ist berühmt für seinen hohen Anteil an den Spurenelementen Magnesium, Pottasche und Jod.

 

Nach Verkosten und Kauf unseres ersten Marsalaweins spazieren wir auf den Marmorstraßen durch die nette Innenstadt, bestaunen die Renaissancefiguren im Dom und die doppelstöckigen Arkaden des Palazzo Pretorio an der Piazza della Repub blika. Eine Ecke weiter, beim Rathaus, finden wir den unscheinbar-schmalen Eingang zur Trattoria Garibaldi, die sich nach hinten unter dem ganzen Wohnblock breit macht: Wir genießen das Vorspeisenbüffet mit eingelegtem Gemüse, Fisch und Meeresfrüchten sowie Couscous mit Meeresgetier – überaus lecker und sehr zur Nachahmung empfohlen.

 

Siziliens erster Naturpark: Zingaro

16.2. Im Frühjahr 1980 gingen die BürgerInnen massenhaft gegen die Bebauung des bislang unberührten Gebiets am Golf von Castellammare auf die Straße. Der Protest zeigte bereits 1981 mit dem Einrichten des ersten Naturschutzgebiets der Region Erfolg. Wir spazieren einen Tag durch den Naturpark Zingaro – an der Küste lang und auf halber Höhe, durch Gebiete mit hartlaubigen, ariden Steppenpflanzen und durch mediterrane Vegetation mit menschenhohem Rosmaringestrüpp und 2-3 m hohen Zwergpalmen. Unterwegs stoßen wir auf aufgewühlte Erde – der Ranger warnte vor einer Rotte Wildschweine im Zingaro-Gebiet.

 

Ferienorte außerhalb der Saison

15.2. Wir sind ganz im Nordwesten Siziliens, in San Vito del Capo. Im Sommer steppt hier der Bär in den Kneipen und Souvenirläden und vor allem am feinsandigen Strand, der sich sogar bis in den Hafen erstreckt. Jetzt fanden wir gerade mal ein offenes Café und ein Restaurant mit Kundenstopper, das vermutlich am Abend öffnet. Ansonsten wird feste renoviert und gestrichen, kaum jemand spaziert durch die Gassen, die Autos parken trotz leerer Parkflächen gerne in zweiter Reihe. Wir wollen von hier aus weiter in den Naturpark Zingaro zum Wandern.

 

Griechische Architektur vom Feinsten

Segesta war eine der bedeutendsten Städte der Elymer, eines Volkes, das aus Troja eingewandert war. Hellenistisch geprägt, pflegte die Stadt eine jahrhundertelange Feindschaft zu Selinunt, in die sie sogar Athen und Karthago verwickeln konnte. Das antike Theater aus dem 3. Jh. vuZ besitzt einen halbkreisförmigen Grundriss und misst 64 m im Durchmesser; auf den Rängen fanden rund 4000 ZuschauerInnen Platz. Nach der grundlegenden Restaurierung finden hier im Sommer wieder Theater- und Konzertaufführungen statt; wir sind leider zu früh.

 

Der große Tempel von Segesta beeindruckt uns durch seine mächtigen Pfeiler und die schlichte Eleganz: 6 Säulen breit und 14 Säulen lang, mit dorischen Kapitellen und Fundamenten, an denen noch die Transportzapfen zu sehen sind, thront er auf einem Hügel in einsamer Landschaft. Fertiggestellt wurde er nie. Verschwörungstheoretiker meinen, er sei von Anfang an als „Fake“ geplant, um den Athenern Reichtum vorzugaukeln, damit sie Segesta unterstützen. Offizielle Quellen gehen davon aus, dass der Bau nach der Eroberung der Stadt durch die Karthager (409 vuZ) eingestellt wurde.

 

Wind und Wetter in Castellammare del Golfo

Eine neue Reise