Impressionen vom Weg zum Mount Keno

Der Silver Trail

4.7. Mayo ist auch nach dem Goldrausch und Silberboom ein belebter Ort geblieben. Es gibt ein Motel, den Lebensmittelladen im Multifunktionsgebäude, eine Schule mit Sporthalle und ein gut besuchtes Freibad; es gibt alte und neue Häuser, adrett herausgeputzte ebenso wie heruntergekommene mit Schrott und Müll im Garten. Das älteste Haus wurde 1921 als stabiles Blockhaus für die Minenverwaltung gebaut. Von 1946 bis 1981 lebte hier Mabel McIntyrem; sie war Mitglied der First Nation Na Cho Nyak Dun und 30 Jahre lang das „Fräulein von der Post“.

5.7. Keno City dagegen hat heute nur noch 50 EinwohnerInnen – im Sommer; im Winter leben hier elf Menschen. Der nächste Arzt praktiziert in Dawson City, im Winter erfolgt die Versorgung via Helikopter. Wir besuchen das Museum, das eine Fülle von Bildern, Geschichten und Alltagsgegenständen der hier (einst) lebenden Menschen präsentiert; ein großer Schwerpunkt liegt auf der Arbeit in den Minen und den im Bergbau eingesetzten Maschinen. Es ist bewundernswert, mit wie viel Akribie hier Werkzeuge, Maschinen und Lebensgeschichten vor dem Vergessen gerettet wurden.

Bergbau im hohen Norden war eine echte Plackerei. Denn erst mal musste der Permafrostboden aufgetaut werden. Wie die Artefakte im Keno-Museum zeigen, geschah dies direkt mit Öfen, mit heißem Wasser oder mit Wasserdampf. An den Hängen des Mount Keno sind noch Relikte aus der Anfangszeit des Silberabbaus zu sehen. Zwischen 1947 und 1989  wurden hier insgesamt 220.000.000 oz. Silber aus der Erde geholt. Der alte Minenort Elsa ist nicht öffentlich zugänglich; wir hatten den Eindruck, dass hier immer noch Bergbau betrieben wird.

Die Straße von Keno City auf den Mount Keno ist ein bisschen rauher, aber Beate nimmt die 11 km mit links (später heizt die Gravel-Spezialistin mit 70 km/h über die Piste zurück nach Mayo). Oben auf dem 1849 m hohen Keno Hill genießen wir den Rundumblick auf die teils wolkenverhangenen Berge rundum. Ein „Signpost“ zeigt, dass Moskau nicht so weit entfernt ist wie Paris; nach Berlin sind es immerhin 4300 km. Ursprünglich wurden die Herkunftsländer eines Geologen-Symposiums auf dem Wegweiser festgehalten. Die alpine Tierwelt zeigt sich mit einem Murmeltier.

Feuer ist Teil des natürlichen Waldzyklus

53 Tage lang hat das Feuer 1998 an den Fox-Seen getobt, bevor es erloschen ist. Zu beiden Seiten des Nord-Klondike Highways erholt sich die Natur seitdem von der Zerstörung, die auch neues Waldleben brachte. Die hohen Nadelbäume sind verbrannt oder angekokelt; sie geben als Totholz Pilzen, Insekten und Nagetieren ein Zuhause. Nachgewachsen sind Weideröschen, Büsche und junge Laubbäume. Im Brandbereich von 1958 nahe Braeburn wächst der Wald bereits dichter und die ersten Nadelbäume recken ihre Spitzen über das Blätterdach.

Five Finger Rapids

4.7. Die Engstelle des Yukon River war gefürchtet – zu Recht, denn an den Felsen gingen eine Menge Boote zu Bruch, fanden Träume vom großen Goldfund ein nasses Grab. Deshalb wurde neben dem östlichen Finger an Land ein Kabel gespannt, mit dessen Hilfe die Raddampfer in der Fahrrinne blieben. Heute kommen die Fünf-Finger-Stromschnellen eher gemächlich daher, der Fluss rauscht zwar noch rasant zu Tal, aber ein Kraftwerk sorgt für geregelten Wasserabfluss. Der Aussichtspunkt hoch über den Stromschnellen ist bei Womos wie bei Reisebussen sehr beliebt.

Endlich einmal Tiere satt

3.7. Weil wir so wenige Tiere an Straßenrand gesehen haben, besuchen wir das Yukon Wildlife Preserve. Hier werden die heimischen Tiere in kleinen und größeren Herden gehalten, domestiziert und möglichst artgerecht. Die schneeweißen Bergziegen verlieren gerade ihr Winterfell, ebenso wie die Karibus und die Wapiti. Auch an den Moschusochsen hängen die Zottel herunter. Der Polarfuchs hat bereits ein grau-braunes Sommerfell. Die Dickhornschafe und die Dünnhorn-Schafe haaren wohl nur etwas. Elche und Luchs zeigen sich uns leider nicht.

Die Hauptstadt des Yukon Territory

Die Gründung von Whitehorse hängt eng mit dem Goldrausch 1898 und mit der Schiffbarkeit des Yukon River zusammen. Bis hierher musste alles Gepäck von der Küste im Süden über den Chilkoot oder den White Pass geschleppt und dann auf dem Yukon transportiert werden. Allerdings durch gefährliche Stromschnellen im Miles Canyon, die vielen Glücksrittern zum Verhängnis wurden. Deshalb wurde eine Pferdebahn zur Umgehung der Gefahrenstelle eingerichtet. Der Ort, an dem die Kanus und Flöße wieder beladen wurden, nannte man Whitehorse. 

Den Durchbruch in der Entwicklung zur Stadt brachte der Bau der Eisenbahn und des Bahnhofs im Jahr 1900. Mit der Whitepass & Yukon Route entfiel der mühsame Treck von Skagway über den Pass, die Bahn brachte Passagiere und Fracht unversehrt zum Fluss für die Weiterfahrt zu den Goldadern am Klondike. Oder die Gold- und Silberfracht zu den US-Zentren im Süden. Die Bahnmanager bauten Whitehorse nach ihren logistischen Bedürfnissen, orientiert an den Bahngleisen und den Schiffsanlegestellen und Trockendocks am Yukon.

Ab Whitehorse konnte man mit dem Raddampfer in zwei Tagen Dawsen City erreichen; stromaufwärts brauchte ein „Sternwheeler“ wie die Klondike vier Tage. Sie besitzt keinen Kiel und somit kaum Tiefgang. Sie wurde möglichst groß ausgelegt, um die Säcke mit Silbererz aus Mayo zur Verarbeitung in den Süden zu transportieren. Die Strecke von Whitehorse nach Dawsen City hat nichts von ihrem Mythos eingebüßt: Heute messen sich hier Spitzensportler beim „Yukon River Quest Canoe and Kayak Race“, dem längsten Kanu- und Kajakrennen der Welt.

Heute leben mehr als zwei Drittel der Yukon-BewohnerInnen in Whitehorse. Die Stadt erstreckt sich 20 km entlang des Flusses und in die Hügel drumrum. Nur die Altstadt ist quadratisch aufgebaut, mit schön restaurierten Fassaden und neuen Gebäuden, mit riesigen Supermärkten, Geschäften und Tankstellen, drei Radiostationen, moderner Bibliothek und hochkompetentem Visitor Center mit Parkplatz für lange Wohnmobile davor – und endlich wieder mit leistungsfähigem Internet. Hauptstadt des Yukon ist Whitehorse erst seit 1953; davor war Dawson City die Kapitale.

Die Quelle des Yukon River

2.7. Der Yukon River entspringt nicht in irgendeinem Bergland, er fließt aus einem See. Das nördliche Ende des Marsh Lake, an dessen Ufer wir zwei ruhige Tage verbracht haben, verjüngt sich zum schnell fließenden Strom, der ab hier Yukon River heißt. Bis zu seinem Delta an der Bering See durchfließt er Felsen und Seen, modelliert die Landschaft auf rund 3000 km, ein kleines Stück in Kanada und den weitaus größeren Teil in Alaska /USA.

Ein kurzer Blick auf die Tlingit-Kultur

Beeindruckende Brückenbaukunst

1.7. Die Nisutlin-Bay-Bridge – die längste Brücke des Alaska Highways – schwingt sich mit sieben Bögen über den Abfluss der Nisutlin Bay in den lang gestreckten Teslin Lake. Der durchlässige Stahlgitterboden ist dabei nicht ungefährlich für MotorradfahrerInnen. Teslin, der einzige Ort zwischen Watson Lake und Whitehorse, ist ein Zentrum der Tlingit Kultur. Wir besuchen das George Johnston Museum und das Teslin Tlingit Heritage Centre, wo wir die feinen Perlenstickereien und zeremoniellen Kopfbedeckungen sowie die bunt bemalten Totempfähle bestaunen.

Auf dem Alaska-Highway

30.6. Es staubt auf dem Alaska Highway, es gibt deutlich längere Schotterstrecken und mehr Verkehr als auf dem Steward-Cassiar Highway. Zudem läuft die legendäre Straße überwiegend auf einem Damm. Wir können zwar links und rechts der Strecke wunderschöne Seen sehen, eine Abfahrt vom Fahrdamm suchen wir aber vergebens. Dafür wissen wir jetzt, was die Zeile „von den blauen Bergen kommen wir“ aus dem alten Cowboy-Schlager bedeutet: Die Luft ist heute so feucht, dass selbst die Berge auf dem anderen Ufer des Teslin-Sees blaugrau erscheinen, die in der Ferne wirken dunkelblau.

Der Sign Post Forest in Watson Lake

28.6. Den Anfang machte ein heimwehkranker US-Soldat 1942 mit einem Schild seiner Heimatstadt: „Danville, Illinois, 2835 miles“. Seitdem sind zahlreiche Ortsschilder, Autokennzeichen und handgemalte Tafeln hinzu gekommen. Bei der letzten Zählung am 15. September 2018 wurden insgesamt 88.186 Schilder verzeichnet, inzwischen sind es sicher über 90.000, und täglich kommen neue hinzu. Dies ist wirklich eine Attraktion. Im Northern Lights Center gegenüber haben wir zwei 25-Minuten-Filme gesehen über Sonnenstürme und tanzende Nordlichter.

Yukon empfängt uns mit Sonnenschein

Nach 650 relativ einsamen Kilometern auf dem Steward-Cassiar Highway haben wir die Grenze zum Yukon Territory überschritten und nähern uns dem Alaska Highway. Der Verkehr nimmt deutlich zu, die Mietmobile ziehen an uns vorbei. Beim Tanken und beim Einkaufen in Watson Lake hören wir viele deutsche Stimmen und werden auch von vielen Deutschen angesprochen. In der Tourist-Info bekommen wir sogar Broschüren über den Norden Kanadas und die Tierwelt entlang der Highways auf deutsch. Wir sind halt ein reisefreudiges Völkchen.

Eine neue Reise