Kathedralen des Reisens

Bahnhöfe sind für uns Kathedralen des Reisens: In ungeheurer Pionierleistung gebaut oder als architektonische Meisterwerke, in Stahl und Beton, in Glas und Marmor – und immer für die Ewigkeit. Wir sind nämlich nicht nur Wohnmobil- sondern auch Eisenbahnfans.

 

 

Porvoo

Der alte Bahnhof von Porvoo ist nur noch im Sommer in Betrieb, wenn die Museumszüge die Touristen durch die Gegend fahren. Auf den alten Gleisen stehen noch einige Güterwaggons und eine alte Lokomotive. In die Holzgebäude rund um Bahnhof, Güterbahnhof und Ausbesserungswerk sind Kunsthandwerker und ein Café eingezogen. Die Gleise sind teilweise mit Gras überwachsen, die Weichen rosten vor sich hin. Schade eigentlich.

Helsinki

Wieder mal eine echte Kathedrale des Reisens: Der Bahnhof ist eines der Wahrzeichen der finnischen Hauptstadt Helsinki. Das eindrucksvolle Granitgebäude mit dem hohen Bahnhofsturm im späten Jugendstil ist ein Werk des Architekten Eliel Saarinen. Die vier markanten Lampenträger am Eingangsportal wurden von Emil Wikström entworfen. Eingeweiht wurde der Bahnhof mit Kopf 1919. Im Inneren bewundern wir die hohen Jugendstilhallen und die filigranen, gläsernen Dächer über den 16 Gleisen. Dass der Personen- und Warenverkehr mit Russland floriert, sehen wir an den blank-gefahrenen Gleisen in Breitspur.

 

Riihimäki

Das Industriestädtchen Riihimäki verdankt seine Entstehung dem Bau der Eisenbahnstrecke von Helsinki nach Hämeenlinna. Zudem führt seit 1870 von hier eine Bahntrasse über Lahti weiter nach Sankt Petersburg. Der Knotenpunkt der beiden Eisenbahnstrecken war schon immer ein guter Platz für  Reparaturen an Fahrzeugen und Trassen, sodass dem Bahnhof ein großes Ausbesserungswerk zur Seite gebaut wurde. Heute war viel Betrieb rund um die roten Backsteingebäude. Und auch die 16 Gleise des Bahnhofs waren gut frequentiert.

 

Kemijärvi

Kemijärvi ist Finnlands nördlichste Bahnstation im Personenverkehr. Am Bahnhofsgebäude hängt ein überschaubarer Fahrplan: Täglich fährt der IC 274 um 19.40 Uhr nach Helsinki, mit Haltepunkten unter anderem in Rovaniemi (20,45 h), Oulo (23.33 h), Tampere (3.33 h); auch die 911 km in Gegenrichtung werden über Nacht gefahren. Der Fahrkartenverkauf funktioniert bestens über Internet oder am Selbstbedienungsterminal. Die Gleise Richtung Russland sind auch noch in Betrieb, allerdings nur noch für Güterzüge.

 

Kolari

In Kolari steht der nördlichste Bahnhof Finnlands. Aber hier ist tote Hose. Der elektronische Fahrplan meldet für heute keine Abfahrt oder Ankunft eines Zuges, die Wartehalle ist abgeschlossen. Das „Eight Seasons Cafe“ in der linken Hälfte des Bahnhofsgebäudes hat geschlossen bis zum Beginn der Wintersaison im Dezember. Betrieb ist dagegen an der Holzsammelstelle für die Verladung auf die Schiene. Gerade wird ein Lastwagen mit Hänger in Windeseile abgeladen.

 

Slettness in Norwegen

Das sieht fast aus wie ein Bahnhof, ist aber keiner. Diese Fischerhütten stehen in Slettnes, gleich neben dem nördlichsten Leuchtturm des europäischen Festlandes. Die Schienen davor sind weitgehend verrostet und führen nirgendwo hin. Früher rollten hier die Loren, gefüllt mit dem gerade gefangenen Fisch, vom Hebekran am Kai in die Hütte des jeweiligen Fischers zur weiteren Verarbeitung.

 

Oulu

Der Bahnhof von Oulu am Bottnischen Meerbusen sieht fast so aus als hätte hier Christo gewirkt. Dieses Verpackungskunstwerk stammt aber vermutlich von finnischen Gestaltern, die kunstvoll Plastikplane an Plastikplane geklebt haben. Unter der Folienhülle wird der Bahnhof saniert und die Holzfassade aufgehübscht. Derweil bleibt der Bahnhof samt Poststelle voll in Betrieb.

 

Jyväskylä

Der Bahnhof von Jyväskylä ist wieder ganz nach unserem Geschmack: Ein schmuckes Holzhaus mit Nebengebäuden, noch voll in Betrieb. Auf den Gleisen verkehren die Personenzüge der Bahnlinien von Pori nach Joensuu und von Tampere nach Oulu. Bei der Bahnfracht tut sich auch etwas: Hier stehen lange Waggonreihen mit Holzstämmen und warten auf den Weitertransport. Wenn die Birkenstämme nicht zu Sperrholz für die Möbelproduktion verarbeitet werden, landen sie womöglich in einer der Papier- und Kartonfabriken.

 

Heinola

Wir hatten uns schon auf einen Bahnhof mit Kopf gefreut, als wir den Stadtplan von Heinola im Südosten der Päijänne-Seenplatte angeschaut haben. Aber weit gefehlt: Der Bahnhof ist heute das Domizil eines Künstlers oder einer Künstlerin, in dessen/deren Garten, entlang der noch bestehenden (und wohl auch noch befahrenen) Bahngleise, jede Menge genietete, geschraubte und geschweißte, immer bunt angemalte Groß- und Kleinfiguren herumstehen. Die Kunstwerkstatt liegt unter freiem Himmel, in dem schmalen Raum zwischen dem Bahnhofsgebäude und den Gleisen.

 

Tampere

Eine Schönheit ist er nicht, der Bahnhof in Tampere, dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der westfinnischen Seenplatte. Von außen wirkt er eher funktional und nüchtern. Seit seiner Einweihung 1936 halten hier die Züge auf den Strecken von Helsinki nach Vaasa sowie von Turku nach Vaasa. Schon von weitem ist der markante, schlanke Turm sichtbar, der die Umgebung auch heute noch überragt.

 

Stuttgart am Nesenbach

„In Stuttgart wird alles tiefer gelegt – der VfB, die Kickers und der Bahnhof“, sagt der Travestiekünstler Frl. Wommy Wonder im Mai 2016. Die Kathedrale des Reisens in der baden-württembergischen Landeshauptstadt wird weiter ausgebeint und platt gemacht: Der Kopfbahnhof im denkmalgeschützten Bonatz-Bau wird zum unterirdischen Durchgangsbahnhof umgebaut. Die blauen Rohre gehören zum Grundwassermanagement und ziehen sich 73 km kreuz und quer durch die Stadt. Im Frühjahr 2016 gibt es noch immer keine Baugenehmigung für alle Bauabschnitte von Stuttgart 21. Infos der Bauherren und –damen, der S21-Kritiker, der Stuttgarter Zeitung und Wikipedia.

 

 

Frankfurt am Main

Frankfurt bleibt oben - auch die Eintracht. Bahn und Stadt investieren: Bis 2019 sollen der Zugang von der B-Ebene und der Bahnhofsvorplatz modernisiert werden sowie mehr als 1000 Quadratmeter neue Einkaufsflächen entstehen. Der Bahnhof mit Kopf ist mit rund 450.000 Reisenden täglich nach Hamburg und München der drittgrößte Bahnhof im öffentlichen Personenverkehr in Deutschland. Für die Deutsche Bahn gilt er aufgrund seiner Lage in der Mitte Deutschlands als wichtigste Verkehrsdrehscheibe im Zugverkehr. Als Kopfbahnhof, genau wie der Münchner Hauptbahnhof. Infos der Stadt Frankfurt und von Wikipedia.

 

Eine neue Reise