In der „Nationallandschaft Koli“

18.8. Die Koli-Berge sind vom Pielinen aus nicht so beeindruckend – bewaldete Hügel, die sich gut zweihundert Meter über den See erheben. Vom Gipfel des Ukko-Koli (347 m über NN) sieht das ganz anders aus: Wir gewinnen zum ersten Mal einen Überblick über den großen See mit seinen zahlreichen, bewaldeten Inseln und Inselchen – eine grandiose Aussicht über eine Bilderbuchlandschaft. Die kahlen Granitbrocken laden zum Klettern ein. Wir spazieren vom Ukko- über den Akka- zum Paha-Koli – und dann zwingt uns mal wieder eine Regenfront zum Umkehren.

 

Besuch im Runensängerdorf Parppaeinvaara

17.8. Kantele heißt das traditionelle Instrument der RunensängerInnen. In der Urform hat sie fünf Saiten, der junge Mann bespielt eine zehnsaitige für uns; im „Haus des Runensängers“, erbaut als typisch-karelisches Blockhaus, haben wir eine Kantele mit 34 Saiten bestaunt. Traditionell war das Zither-ähnliche Zupfinstrument aus einem Holzstück geschnitzt, das unten offen war. Inzwischen hat sich die Kantele zu einer ganzen Instrumentenfamilie mit unterschiedlich großen akustischen und elektronischen Modellen entwickelt. Unser Virtuose hat eine CD mit seiner Elektro-Kantele aufgenommen.

 

Im Runendorf Parppaeinvaara erfahren wir vieles über die traditionellen Gesänge und Runen (=Verse). Rund 65.000 Verse sind Dank der Sammelleidenschaft des Arztes und Schriftstellers Elias Lönnrot in das Nationalepos „Kalevala“ eingeflossen. Die Volksdichtungssammlung wurde erstmals 1835 veröffentlicht und bereitete die Basis für die finnische Schriftsprache. Nach wie vor ziehen die Kalevala-Geschichten Menschen in ihren Bann, wie etwa die Brüder Grimm und J.R.R. Tolkien, finnische Bildhauer und Musiker; noch heute werden Neubaugebiete und Neugeborene nach Kalevala-Helden benannt.

 

In der Hütte der Runensängerin Mateli Kuivalatar aus Ilomantsi finden wir ein gesungenes Liebesgedicht von ihr:

 

„Wär mein Liebster auf dem Wege, führten hierher seine Schritte, würd ich ihn an seinen Tritten, ihn sogleich am Gang erkennen, auch wenn ungezählte Meilen zwischen ihm und mir noch lägen. Wie ein Wölkchen wollt ich schweben, wie ein Flämmchen mich erheben, wollt als Funke zu ihm eilen, ihm als Hauch entgegenwehen, schmiegte mich in seine Arme, suchte seine süßen Lippen. Seine Hand würd ich ergreifen, zuckte drin auch eine Schlange; seine Lippen wollt ich küssen, hing der Tod ihm aus dem Munde; und ich schlöss ihn in die Arme, hielt ihn selbst der Tod umfangen, legte mich an seine Seite, wär sie auch in Blut gebadet. Doch es sind des Liebsten Lippen, nicht berührt vom Blut der Wölfe, nicht die Hand vom Gift der Schlange, nicht sein Hals vom Hauch des Todes. Ist sein Mund doch süß wie Nektar, wie von Honig seine Lippen, gut und stark sind seine Hände, schön sein Hals wie eine Blume.“ (Kanteletar II:43)

 

Im Parppaeinvaara-Restaurant hatten wir das bisher beste Karelische Buffet – und eine passende Rune aus dem finnischen Nationalepos:

 

„Gargekochtes gab es reichlich, viel zu essen, viel zu trinken, in Gefäßen roter Farbe, in sehr schönen großen Schalen. Backwerk gab es da zu brechen, Butterbissen gab‘s zu krümeln, Schnäbel gab es zu zerschneiden, Lachse gab es zu zerlegen, mit dem silberschweren Messer, mit dem goldverzierten Dolche.“ (Kalevala 25. Gesang)

 

Die Hütte des Grenzgenerals war in den Kriegsjahren 1941-1944 Befehlsstand und Unterkunft von Erkki Raappana. „Kullervo, der Sohn Kalervos, blaubestrumpftes Kind des Alten, macht sich für den Feldzug fertig, rüstet sich zur Fehdereise; schleift ein Weilchen noch sein Schlagschwert, schärft die Spitze seines Speeres. Dazu sagte seine Mutter, „Du sollst ja nicht, armer Junge, zu der großen Fehde fahren, zu dem lauten Schall der Schwerter! Wer zu Feld zieht ohne Ursach, in den Streit aus freien Stücken, kommt im Kriege um sein Leben, wird gemordet im Gemetzel, wird erschlagen mit dem Schwerte, geht zugrunde durch die Streitaxt.“ (Kalevala 36. Gesang)

 

Wieder über Wurzeln und Steine

Im Petkeljärvi-Nationalpark wandern wir wieder auf einem schmalen Oser-Rücken, einer Halde aus Gestein, Geröll und Sand, geformt beim Abschmelzen der Gletscher der letzten Eiszeit. Unser Bergrücken trennt die Seen Kaitajärvi und Valkiajärvi, die zusammen mit weiteren Gewässern und Tümpeln beste Rastplätze und Nistmöglichkeiten für allerlei Federvieh bieten. Leider haben wir den falschen Trail gewählt, um einen Biberbau zu sehen; sie sollen in dem nur 6 qkm großen Schutzgebiet sehr zahlreich vorkommen.

 

Das Eisenhüttenmuseum von Möhkö

16.8. Möhkö war von 1849 bis 1908 das Zentrum der Eisenerzverarbeitung mit Finnlands größter Roheisenproduktion. Wobei das Erz nicht aus Minen gebrochen, sondern in den umliegenden Seen von Flößen aus mit Reusen und Netzen per Hand vom Seegrund „geangelt“ wurde. Die Eisenhütte bot Hunderte von Arbeitsplätzen – beim Erzabbau, am Hochofen, im Transportwesen und vor allem in den umliegenden Wäldern. Denn für das Herstellen von 5000 Tonnen Roheisen waren rund 15.000 Tonnen Seeeisenerz und 43.000 Tonnen Holzkohle nötig.

 

Das Erz wurde hier in den Hochöfen geschmolzen und zur Weiterverarbeitung und Veredlung zur Eisenhütte Värtsilä und die Gießereien nach Sankt Petersburg transportiert; das Möhköer Eisen war ohne Bearbeitung eher zum Schmieden als zum Guss geeignet. Im Freilichtmuseum finden wir neben dem Herrenhaus noch restaurierte Schleusen und Bootsanleger, ein Riesenwasserrad und Reste einer wasserbetriebenen Hammerschmiede. In den Ruinen des Hochofens beeindruckt uns die schmale Röhre zur Eisengewinnung und ihre meterdicke Stein-Ummantelung – und natürlich die Installation von Tarja Malinen links im Bild.

 

Der östlichste Punkt der Europäischen Union

19 km Piste trennen uns in Hattuvaara noch vom östlichsten Punkt der EU auf dem Kontinent – nichts, wofür wir ein Allrad-Fahrzeug brauchten. Die letzten Kilometer fahren wir in der restriktiven Grenzzone; unsere Straße allerdings ist davon ausgenommen. Gelbe Pfosten markieren die freie Strecke, später dann türkisfarbene Seile den Fußweg. Der östlichste Zipfel der finnisch-russische Grenze liegt auf der Insel Virmajärvi, auf 0,1 m genau vermessen und exakt gekennzeichnet mit einem weißen Pfahl; daneben stehen der blau-weiße finnische und der rotgrüne russische Grenzpfosten.

 

Auf der Straße der Runen und Grenzen

14.8. Von Lieksa bis Ilomantsi zieht sich die „Straße der Runen und Grenzen“ in einem Bogen 135 km entlang der russischen Grenze – durch Wälder und Moore, an Seen entlang und auf meist gerader Strecke die Oser-Hügel rauf und runter. Nicht immer ist sie so gut ausgebaut wie hier; gut 20 km waren Schlaglochstrecke, weitere 25 km Schotter- und Lehmpiste. Mehr muss auch nicht sein, denn die Orte, die auf der Karte verzeichnet sind, bestehen nur aus wenigen Häusern oder einzelnen Gehöften, die fast im Wald verschwinden. Viel Platz für Natur pur im Grenzland.

 

Eine Ausnahme bildet das Dorf Hattuvaara, auf dessen Fläche der östlichste, kontinentale Punkt der Europäischen Union liegt. Hier steht die älteste Tsasouna Finnlands, die orthodoxe Kapelle ‚Peter und Paul‘ aus dem Jahr 1790, umgeben von einem schön angelegten Park mit Sitzbänken, Picknickplätzen und Schutzhütte – hätten wir hier so nicht vermutet. Geöffnet war das Kirchlein leider nur vom 5.-31.7. – die Saison ist vorbei. Wir parken am kleinen Supermarkt neben der Mini-Tankstelle und schlendern durch die Gemeinde.

 

Das „Haus des Kämpfers“ in Hattuvaara ist unser Ziel. In dem massigen, grauen Gebäude ist ein Kriegsmuseum untergebracht und jede Menge Kriegsgerät steht im Außenbereich herum. Uns interessieren heute aber nicht die Einzelheiten aus Winterkrieg und Fortsetzungskrieg, sondern die Erlaubnisscheine für das Betreten der letzten Kilometer an der EU-Außengrenze. Wir erfahren, dass wir keine Genehmigung mehr brauchen: Die finnischen Grenzer waren es wohl leid, ständig Touristenbescheinigungen auszustellen; sie haben einfach einen Korridor abgegrenzt, innerhalb dessen wir frei zur Grenze laufen können.

 

Von Stromschnellen und einsamen Wäldern

13.8. Wild schäumende Wasser und ausgedehnte einsame Wälder locken uns ins Wandergebiet von Ruunaa. Wir nutzen die Zeit zwischen den Regenschauern für eine 4-Stunden-Tour auf dem 133 km langen Bärenpfad (nicht zu verwechseln mit der Bärenrunde im Oulanka-Nationalpark, wo wir vor 10 Tagen waren). Auf dem Lieksanjoki fahren die Rafting-Boote gezielt in die Gefällstrecken; am Ufer suchen die Fliegenfischer an den Stromschnellen nach Beute für den Grill. Unsere Grillis sind schon gefangen und warten über der Flamme auf die richtige Bräunung.

 

Über die Kunst des Fichtenwindens

12.8. Das Freilichtmuseum Pielinen in Lieksa gewährt einen Blick in frühere karelische Wohnhäuser und Vorratsspeicher, bäuerliche und handwerkliche Arbeitsgeräte – von der alten Holz-Egge über die Singer-Nähmaschine eines Schusters und den Einbaum eines Fischers bis zu den ersten Dampfmaschinen. Begeistert hat uns die Abteilung über die Arbeit der Flößer, die mit einem Floß bis zu 10.000 Stämme an ihr Ziel brachten. Die Flöße wurden durch „Seile“ aus Fichten zusammengehalten, die erst um einen Pfahl in Form gedreht und dann in der Sauna getrocknet wurden.

 

Atemberaubende Holzkunst

11.8. Ein Kunstwerk von Eva Ryynänen (1915 - 2001) hatten wir bereits in Nurmes bewundert: den Liederbaum, eine in Bronze gegossene Föhre. In ihrem Atelier und der Werkstatt in Paateri standen wir staunend vor weiteren Werken der berühmten Holzbildhauerin – lebensecht tanzende Bären, Hocker in Pilzform, Figuren im Zauberwald, eine eigenwillige Leiter zum Dach. Eines ihrer Meisterinnenwerke steht gleich nebenan: Eine filigrane Blockhauskirche mit Baumkronen-Altar, geschnitzten Bänken mit Blümchen auf der Lehne, einem Fries aus Lämmern und Blüten, dem Baumscheiben-Boden … unbeschreiblich schön.

 

Am Nordufer des Sees Pielinen

8.-10.8. Der historische Teil von Nurmes streckt sich über einen schmalen Oser-Rücken, den die Eiszeit hier hinterlassen hat. Die Hauptstraße führt über die Gipfellinie, vorbei an schönen Holzhäusern, der evangelisch-lutherischen und der karelisch-orthodoxen Kirche. Seitenwege führen steil hinab zu den Ufern des Pielinen bzw. des Nurmes-Sees. Das schmucke Holzhaus mit den reich verzierten Giebeln und Fensterrahmen ist ein Teil der Schule. Die hat bereits wieder begonnen, wie an den spielenden Kindern im Schulhof unschwer zu erkennen ist.

 

Ursprünglich stand das Bomba-Haus am Ufer des Suojärvi, der heute zu Russland gehört. Erbaut wurde es 1855 vom karelischen Bauern Jegor Bombin aus langen Rundhölzern in nur einem Sommer – ohne einen einzigen Nagel. Der Nachbau in Nurmes wurde 1978 errichtet und steht im Zentrum eines großen Ferienkomplexes mit karelischen Hütten, modernen Apartments und allerlei Unterhaltungsangeboten. Wir testen das karelische Buffet im Bomba-Haus, mit butter-getränkten Piroggen, vielfältigen Salaten, Lachs- und Hering-Vorspeisen sowie Hauptgerichten aus dem Schmortopf.

 

Markt in Nurmes

Zum Anfang der Teer-Route

8.8. In Kajaani standen die Teerbootfahrer, die das „schwarze Gold“ von den karelischen Wäldern nach Oulu ans Meer bringen sollten, vor einem Problem – den wild tosenden Stromschnellen von Ämmä und Kuivu. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts mussten die Boote mit den Teerfässern von Pferden um die Katarakte herum gezogen werden. Erst mit dem Bau der Teerkanäle ging die Reise schneller und gefahrloser. Die Schleuse am Teerkanal Ämmäkoski ist noch funktionsfähig. Die wild rauschenden Wassermassen allerdings suchen wir in Kajaani vergebens; sie sind heute durch mehrere Kraftwerke gezähmt.

 

Mäßig wildes Wasser finden wir in Kuhmo, wo der Weg des Holzteers in die Welt begann. Von den Teerbrennern in Fässer gefüllt, ging die kostbare Fracht von hier aus auf die rund dreiwöchige Fahrt an den Bottnischen Meerbusen. Nach Überwinden der steinigen Gefällstellen von Pajakkakoski, Akonkoski und Saarikoski ging die Reise erst mal durch ruhigere Gewässer. Heute wandeln wir auf bequemen Holzstegen zwischen der Stromschnelle und einer beruhigten Biotopzone. An die Teerroute erinnern die Süßwarenhersteller mit ihren Leckerli mit Teeraroma.

 

Boten des Herbstes

Gedenken an den Winterkrieg

7.8. Zwischen Suomussalmi und Raate hat der Winterkrieg vom 30.11.1939 bis 13.3.1940 besonders heftig getobt. An der Straße erinnern zahlreiche Monumente, Gedenksteine und Soldatenfriedhöfe an die sowjetische Invasion, die erfolgreiche Gegenwehr der ausrüstungs- und zahlenmäßig unterlegenen finnischen Soldaten sowie an die zahlreichen Opfer dieses sinnlosen Krieges. Auch Alvar Aalto hat hier ein Denkmal gestaltet – ein Monument in Form einer Flamme erinnert an die Opfer des Winterkrieges, ein Relief der Gegend an die einzelnen Kriegsschauplätze.

 

Im Museum Raateen Portti werden Uniformen und Waffen gezeigt, drum herum erbeutete Geschütze und ein zerschossener Panzer. Zum Museum gehört auch das Winterkriegsmonument – ein Steinfeld mit Zentraldenkmal, entworfen von Erkki Pullinen: Auf knapp 3 ha Fläche liegen Steinblöcke verteilt, einer für jeden gefallenen finnischen und sowjetischen Soldaten. Am Denkmal in der Mitte sind 105 Kupferglocken angebracht – eine für jeden Tag des Winterkrieges. Bei Wind verkünden die Glocken ihre Botschaft vom Irrsinn des Krieges.

 

Suomussalmi und drumrum

6.8. Auf dem Weg von Hossa nach Suomussalmi machen wir einen Abstecher zum „stillen Volk“: Fast tausend Figuren stehen auf einer Moorwiese; die bunten Kleider aus der Sammlung wehen im Wind; die Torfköpfe mit den Heufrisuren werden zweimal im Jahr erneuert. Geistiger Vater der Installation ist der Tänzer und Choreograf Reijo Kela, der das stille Volk in den 1990er-Jahren bei seinen einzigartigen Performances in der Region Kainuu und in Helsinki einsetzte. Heute hat das stille Volk eine feste Heimat neben der Europastraße 63 gefunden, verantwortlich betreut von der Jugendwerkstatt Suomussalmi.

 

Am Kiantajärvi in Suomussalmi finden wir einen schönen Platz für die Nacht. Am Bootssteg ist die alte „Kianta“ fest vertäut; am 7. August läuft sie aus zur letzten Rundfahrt auf dem See für diese Saison. Ab jetzt müssen wir auch mit weiteren Einschränkungen der Öffnungszeiten rechnen – etwas früh! Die Jungmännergruppe auf dem rustikalen Hausboot juckt das nicht: Sie haben sich von ihren Frauen zum Hafen fahren lassen, sind mit reichlich Bier und Grillgut an Bord gegangen und zur Nachtfahrt auf dem Kianta-See gestartet.

 

Wanderung zu Jahrtausende alten Graffitis

Aus dem Camper-Alltag

Einen Elch in freier Wildbahn haben wir immer noch nicht gesehen. Dafür hatten wir schon viele Begegnungen mit Rentieren – meist fraßen sie das frische Grün am Straßenrand oder spazierten mitten auf der Straße, manchmal trafen wir sie bei Wanderungen in Wald und Flur. Auf dem Campingplatz im Wandergebiet Hossa kamen die Waldrene ganz dicht an den Wohnmobilen vorbei. Hier wachsen aber auch überall diese leckeren Heidel- und Preiselbeeren, Moose und Rentierflechten. Zum niederknien, abzupfen und genießen.

 

Bei unseren Wanderungen konkurrieren wir nicht wirklich mit den Renen, Vögeln und sonstigen Tieren um die Nahrung im lichten, nordischen Wald. Denn die Natur hat ihren Tisch überreich gedeckt: Die Blaubeeren sind bereits seit einigen Wochen reif und werden von uns gerne im Vorbeigehen gepflückt. Die seltenen und lecker-süßen Moltebeeren (finnisch: lakka) haben wir leider bisher nur im Hochmoor des Pyhä-Luosto-Nationalparks gefunden; ihre Erntezeit geht auch langsam zu Ende. Dafür werden jetzt die Preiselbeeren rot und genießbar.

 

Mit allerlei Freizeitvergnügen durchs Jahr

4.8. Schon von weitem sehen wir den 500 m hohen Rukatunturi, den Hausberg des Wintersportzentrums Ruka. An seinen Flanken reihen sich die große Sprungschanze und eine kleinere Übungsschanze, das Biathlonstadion, etliche Liftanlagen und beleuchtete Abfahrtspisten. Den Rekord auf der Großschanze von 148 m halten Veli-Matti Lindström (2001) und Janne Ahonen (2004). Im Sommer kann man mit dem Sessellift hochfahren und via Sommerrodelbahn wieder ins Tal brettern. Wir begnügen uns mit einem Blick auf die geschlossenen Hotels und Apartment-Anlagen.

 

5.8. Eine Schönheit ist Kuusamo nicht, denn die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört; Zweckbauten prägen das heutige Stadtbild. Die Infrastruktur allerdings ist hervorragend – von der Kongresshalle und dem Krankenhaus über Sportparks und Eisstadion bis zu den riesigen Einkaufszentren auf der grünen Wiese. Im Stadtgebiet gibt es über 5000 Seen und Flüsse, Stromschnellen und Bergrücken – beste Voraussetzungen für Wanderungen, Wildwasserfahrten oder Skivergnügen. Wir finden einen tollen, ruhigen Übernachtungsplatz mit Seeblick.

 

Auf der kleinen Bärenrunde

Drei Tage im Oulanka-Nationalpark

1.-3.8. Mitten durch den Oulanka-Natonalpark führt die „Große Bärenrunde“. Finnlands beliebtester Wanderweg führt von Hautajärvi nach Ruka (oder umgekehrt), ist mit 80 km, wanderbar in 4-6 Tagen, für uns eine Nummer zu groß. Wir begnügen uns zunächst mit zwei schönen Spaziergängen ab dem Nationalpark-Zentrum, das 13 km Lehmpiste von Käylä entfernt in der Mitte des Oulanka-Parks liegt. Wo unsere Route mit der Bärenrunde identisch ist, wandern wir auf breiten, gut ausgebauten, ausgetretenen Wegen, wie etwa bei der Stromschnelle Kiutaköngäs.

 

Wenn unsere Route eine Schleife abseits des Bärenweges dreht, sind wir mitten im Urwald, wandern über querliegende Bäume und durch nasse Wiesenbereiche, klettern über herumliegendes Gestein oder balancieren über morsche Holzbohlen durchs Moor. Die Wasserfälle sind zwar etwas kleiner, dafür hängen die Blaubeerbüsche noch voller Früchte und die Pilze sprießen üppig, Vögel zwitschern munter vor sich hin und eine Libelle begleitet uns ein Stück des Wegs. Auf unseren Pfaden abseits der Bärenroute begegnen wir (fast) keinem Menschen, keinem Bären und nur einzelnen Renen.

 

 

Bei Juuma im Süden des Nationalparks startet die „Kleine Bärenrunde“ – 12 km auf breiten, bestens präparierten Wegen, die Hügel rauf und runter geht es oft über bequeme Holztreppen, an Feuchtstellen oder zum Schutz der Wurzeln führen Bohlenwege, die Stromschnelle Myllykoski und andere Wasserläufe werden via Hängebrücke überquert, die Schlucht Kallioportti wird über aufwändige Treppenanlagen gemeistert. Viel Aufwand, der die kleine Bärenrunde zum überaus beliebten Wanderziel für die ganze Familie macht. Einsam ist es hier auch bei Regen nicht.

 

Wieder am Napapiiri, dem Polarkreis

31.7. Wie verlassen Lappland und den hohen Norden Europas für diese Reise und wenden uns wieder gen Süden. Volle vier Wochen waren wir nördlich des Polarkreises. Bei der Koordinate 66°32‘35‘‘ überqueren wir zum dritten Mal den Napapiiri Suomu. An der Europastraße 63 erregt dieses hohe Denkmal unsere Aufmerksamkeit; mangels Parkplatz halten wir an der Bushaltestelle für einen kurzen Fotostopp. Eine Gaststätte und ein Laden mit allerlei Polarkreis-Souvenirs finden wir ein paar Kilometer weiter; ansonsten ist hier ziemlich tote Hose.

 

Eine neue Reise